Wolff & Tritschler Archiv

Blöchlestraße 24

77654 Offenburg
Deutschland


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http://www.drwolffundtritschler.de.tl/

Ansprechpartner(in): Thomas Sommer

Das zeithistorische Archiv Dr. Paul Wolff & Tritschler

Ob es auch Freundschaft war, die die beiden verband? Zumindest sind die Namen der Fotografen Dr. Paul Wolff (1887 – 1951) und Alfred Tritschler (1905 – 1970) in der Geschichte der Fotografie aufs Engste miteindander verknüpft. Und hätte es den Begriff damals schon gegeben, so hätte man sie zu ihrer Zeit als ”Starfotografen” bezeichnet.

Auch wenn er als Junge mit einer 6x9 Plattenkamera spielte, sudiert hatte der Sohn eines preußischen Beamten dann doch lieber Medizin. Kaum Assistenzarzt, wurde der im elsäßischem Mühlhausen geborene Dr. med. Paul Wolff 1914 als Regimentsarzt an die Front geschickt. Heimgekehrt aus dem I. Weltkrieg durfte er in Straßbourg als Arzt nicht praktizieren. Das Elsaß war ja wieder an Frankreich gefallen, als Deutscher wurde Dr. Wolff mit einem Berufsverbot belegt. Also fotografierte er, seine Heimatstadt und die Vogesen. Mehrere Bildbände entstanden so. 1919 wurde er dann ausgewiesen. Dr. Wolff verließ Straßburg – und auch die Medizin. In der neuen Heimat Frankfurt/Main suchte er sich zunächst in der Filmindustrie durchzu schlagen, arbeitete in einem Kopierwerk, filmte selbst.

1926 gewann er auf der Internationalen Fotoausstellung in Frankfurt seine erste Leica-Kamera: Sie sollte sein weiteres Leben nachhaltig beeinflussen, Dr. Wolff wechselte vom bewegten Bild heim zur Fotografie. ”Das Schicksal spielte sie mir in die Hände, und damit begann für mich ein bedeutungsvoller Abschnitt meines beruflichen Lebens.”

Kurz darauf traf er auf den achtzehn Jahre jüngeren badischen Fotografen Alfred Tritschler. Nach einem Fotografie-Studium an der Fachschule für Phototechnik in München begann Tritschler gerade, sich als Industriefotograf einen Namen zu machen. Zusammen gründeten sie 1927 die Firma Dr. Paul Wolff & Tritschler. Die Firmierung deutete es schon an: Wenn auch fotografisch bestimmt gleichrangig, so stand der Jüngere doch immer etwas im Schatten Dr. Wolffs.

Doch gemeinsam ging es steil bergauf: Ab den beginnenden Dreißigerjahren folgen Bildbände – zum Teil in enormen Auflagen, international verlegt –, Ausstellungen in Europa und Amerika, Fotopreise und Auszeichnungen. Man stand gut mit der Montan- und Metallindustrie, für die man zahlreiche Unternehmensportraits, Werbeaufnahmen und Produktdokumentationen anfertigte, daneben immer auch mit Leitz und Oskar Barnack.

Die Fotolehrbücher von Paul Wolff, allen voran der Klassiker ”Meine Erfahrungen mit der Leica” (1934), publizierten die Resultate seiner Forschungsarbeit, etwa die Entdeckung, wie sich das grobe Korn des Kleinbildnegatives unterdrücken ließ: ”Belichte reichlich, entwickle kurz”.

Ab Mitte der dreißiger Jahre war die Agentur zu einem der weltweit führenden Bildarchive aufgestiegen, neben öffentlichen Aufträgen und Arbeiten für die Wirtschaft fotografierte man auf Auslandsreisen nach Ägypten, Italien, USA und dem Balkan. Diese Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg war wohl künstlerisch, aber auch wirtschaftlich, eine Hochzeit im Schaffen der beiden Fotografen. Publikation folgt auf Publikation: 1936 fotografierten sie die ”Olympischen Sommerspiele” in Berlin, im gleichen Jahr erscheint ”Sonne über See und Strand”, 1937 folgt der Bildband ”Arbeit”, 1938 dann ”Großbild oder Kleinbild”. Die Ausstellungen jagen sich.

Dann kommt der Bruch: Alfred Tritschler wird 1939 – gleich zu Beginn des II. Weltkrieges - zum Militär eingezogen, wird Kriegsfotograf an den Fronten von Frankreich, Afrika und Russland. Wolff dokumentiert im Auftrag des NSDAP-Propagandaministeriums Architektur- und Kunstgeschichte für den Wiederaufbau.

1944 fiel das Plattenarchiv im Frankfurter Haus von Dr. Wolff einem Luftangriff zum Opfer, für Wolff war der Verlust ein Schock, von dem er sich bis zu seinem Tod im Jahre 1951 nicht mehr erholen konnte. Das Kleinbildarchiv konnte zuvor in einen Brauereikeller ausgelagert werden, bildete dann nach dem Krieg die Grundlage für das weitere Bestehen der Agentur.

Nach dem Tod seines Partners übernahm Alfred Tritschler die alleinige Verantwortung für das Unternehmen, das damals immerhin 20 Mitarbeiter beschäftigte. 1963 schied Tritschler aus der Firma aus, er starb 1970 in der Silvesternacht.

Bis heute ist das Archiv – verwaltet von Tritschlers Großneffen Thomas Sommer - in Familienbesitz. So lagert im badischen Offenburg eine zeithistorische Fundgrube mit rund 500.000 Aufnahmen, die einen Zeitraum von 1927 bis 1960 dokumentieren.