Pilgern ist wieder „in“





Reise zum Heiligen Rock nach Trier

 

Das Wort heilig wird heute sehr oft verwendet. Der jeweilige amtierende Papst ist unfehlbar und heilig. Holzsplitter vom Kreuz, an dem Jesus starb, werden in großen Mengen in der Welt ebenfalls verehrt wie heilige Wasser. Das gesegnete Weihwasser in den Kirchen und religiösen Begegnungsstätten der Katholischen Kirche wurde gesegnet und somit als heilig erklärt.

Auch der Islam hat seine Reliquien, wohingegen sich die Protestanten und deren Gründer Martin Luther von all diesen Verehrungen strikt distanziert haben.

 

In Trier, der ältesten Stadt Deutschlands, hat man einen kompletten Rock für heilig erklärt, den Christus in seinen letzten Stunden getragen haben soll, oder zumindest Teile hiervon. Vor fast 500 Jahren kam dieser Rock als Geschenk von Flavia Julia Helena, der Mutter Kaiser Konstantins, nach Trier, welche diesen von einer Pilgerreise aus dem Heiligen Land zusammen mit anderen Reliquien mitbrachte. Vom Trierer Heiligen Rock wurden Teile weitergegeben - z.B. an das Kloster Maria Laach und die Breslauer Kirchengemeinde. Heilige Röche, bzw. Teile hiervon findet man in England, Russland, Spanien und im Heiligen Land selbst. Nach einer Auflistung der Bischöflichen Diözese in Trier an 57 Orten. Diese Tunikas Christi werden verehrt, aber ein Nachweis über die Echtheit der Röcke und der Fundstellen davon gibt es nicht. Von Papst Leo X. wurde das Trierer Gewand als authentisch anerkannt. Nach Aussage der Trierer Veranstalter gibt es keine vergleichbare Christuswallfahrt…..

 

Der derzeitige Trierer Bischof Stephan Ackermann, der die Wallfahrt 2012 organisiert hat, meint :„ Niemand kann mit Bestimmtheit sagen, dass die Trierer Reliquie identisch ist mit dem Gewand, das Jesus hier auf Erden getragen hat und um das die Soldaten gelost haben. Doch kann auch niemand mit Sicherheit das Gegenteil behaupten. Deshalb ist aber auch niemand verpflichtet, die Reliquie als historisch echt anzusehen. Das haben schon meine Vorgänger, die zu den letzten beiden Wallfahrten in den Jahren 1959 und 1996 eingeladen hatten, betont.“

 

Werbung für den Glauben

 Eine islamische Glaubensgemeinschaft bemüht sich durch die kostenlose Verteilung einer deutschsprachigen Ausgabe des Koran in Millionenauflage um neue Glaubensbrüder. Die Katholische Kirche hat 3,5 Millionen Euro in die Organisation der Heiligen-Rock-Wallfahrt 2012 investiert. Täglich rollten bis zu 200 Sonderbusse an und fünf feste Gottesdienste waren im Programm dieser Großveranstaltung vorgesehen. Viele Gruppen aus der ganzen Welt trafen ein. Bis zu einer Million Gäste wurden erwartet. Der Trierer Bischof sprach davon, dass die Kirche weltweit durch eine tiefgehende Krise verunsichert sei. Die Wallfahrt sollte ein Bekenntnis zu Jesus sein und wurde ökumenisch ausgerichtet.

Ein neuer Atheismus erhebt selbstbewusst seine Stimme, und eine Kirche, die sich in der Öffentlichkeit mit einer großen und massiven Vertrauenskrise auseinandersetzen muss, sucht den Weg der christlichen Einheit. Auch wenn die Rock-Wallfahrt aufgrund ihres Ursprungs ein Fantasiegebilde sein sollte, ist dies doch eine anziehende Vorgabe für eine ohne Zweifel eindrucksvolle Pilgerfahrt.

Das geschützte Markenzeichen dieser Wallfahrt wird als Talisman und in Form von Geschenkartikeln veröffentlicht, angeboten und verkauft. Schützengruppen aus dem Trierer Umland, Studentenverbindungen, ganze Gruppen aus Russland und Vietnam, nahmen an den Prozessionen teil sowie zahlreiche Busgäste, die vor den Toren der Pilgerstadt ausstiegen und mit Betreuern wandernd über Wege zwischen 5 und 12 km in die Stadt geführt wurden. Am Busbahnhof fanden sie später wieder ihre Rückfahrtsmöglichkeit nach dem Besuch des Heiligen Rocks in der großen und mächtigen Kirche. In einer Pilgeroase gab es für Rad- und Fußwanderer Erfrischungen, einfache Übernachtungsmöglichkeiten und die oft gewünschte Pilgerurkunde mit Stempel. Alles wurde gut organisiert und entsprach weitgehend den Wünschen der Teilnehmer. Für viele ist dies einfach eine Abwechslung und ein Happening. Vor allem junge Pilger sehen dies so, denen auch moderne Musik zur Unterhaltung geboten wurde.

Die Menschen, die sich in Trier trafen, waren fröhlich, hilfsbereit und sehr aufgeschlossen. Täglich erschien eine kostenlose Tageszeitung der Kirche mit Veranstaltungskalender und Berichten darüber, was sich in Trier tat und tut. Die oft geschlossenen Pilgergruppen umfassten bis zu 1800 Teilnehmer und stellten an die Ordnungshüter hohe Anforderungen. Täglich mussten 50 bis 60 Gruppen betreut werden, wie von der Syrisch-Aramäischen Pfarrei St. Josef der Marineschule in Münster, der Russisch-Orthodoxen Kirche in München sowie Gruppen aus St. Petersburg und Moskau. Zu den Eröffnungspilgern gehörte auch der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz Kurt Beck und seine Kollegin aus dem Saarland Annegret Kramp-Karrenbauer.

Bei der Großveranstaltung zeigte sich - wie bei Fußballspielen - die Zusammengehörigkeit zu einer Interessensgruppe als ein stark verbindendes Element. Man fühlte sich in der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten einfach wohl. Der Heilige Rock war der Auslöser für diese Pilgerfahrt und hat die gläubigen Christen zu dieser Reise inspiriert – gefolgt von vielen Neugierigen.

Die Heilige-Rock-Wallfahrt 1933 war die größte mit 2,5 Millionen Gläubigen und wurde durch Stahlhelmgruppen und die SA geschützt. Ein offizieller Vertreter der Reichsregierung war Franz von Papen. Hitler selbst und seine Politik schnitten bei den Wahlen in der Domstadt  sehr schlecht ab.

Als man in der Vergangenheit noch zu Wodan, den römischen Göttern, zu so genannten Götzen und Sonnenkönigen betete, waren die Gläubigen hoffentlich auch in ihrer Gemeinschaft eingebettet. Jede Religion hat eigene Spielregeln und Anhänger. Die meisten kennen nur die traditionelle Religion ihrer Eltern und ihrer Erziehung. Der Glaube setzt immer dann ein, wenn keine klaren Beweise vorliegen und nach einer Einordnung und Klärung gesucht wird. Der feste Glaube, mit Überzeugung vorgetragen, hat schon manches Unheil angerichtet. Der Mensch denkt, und wer lenkt die Gedanken, die gut oder schlecht sein können? Eine überzeugende Antwort kann niemand geben. Der Teufel als Gegenspieler von Gott hat heute kaum noch etwas zu vermelden. Wie man zufrieden und glücklich leben kann, muss jeder selbst herausfinden. Wie die Heilige-Rock-Veranstaltung zeigt, ist dies leichter in einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten, je nach den Zeitumständen. Auch Kommunismus, Nationalismus und Kapitalismus haben ihre Spielregeln und ihre Gläubigen. Jede politische Partei und jede der vielen hundert Religionen haben ihre Glaubenspakete bereitliegen.

Alles hinterfragen und diskutieren kann nur die Antwort sein für ein zufriedenes Leben.


ACHTUNG, NOCH IN ARBEIT!

Hier werden demnächst von jeder teilnehmenden Bildagentur bzw. Fotojournalisten eine komplette Bildreportage oder Fotoserie mit 10 bis 15 Bildern und einem Text vorgestellt.

Tolle Tierserien sowie aktuelle Bildreportagen aus dem Gesellschaftsleben, Sport und Freizeit können gezeigt werden.

Gleichzeitig können weitere vorliegende Bildthemen mit Kurzbeschreibungen aufgeführt werden.
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Bei der Anfertigung von Bildreportagen und Fotoserien entstehen oft besonders interessante Bilder. Dieser neue Service von  www.piag.de ist für die Bildbranche ein Novum. Eine Telefonumfrage bei Bildnutzern und Bildanbietern erbrachte eine positive Resonanz.